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Demographischer Wandel
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Die ländlichen Regionen der Bundesrepublik Deutschland unterliegen in den vergangenen Jahrzehnten einem starken Strukturwandel, der nicht nur die Landwirtschaft betrifft, sondern auch die sozialen Beziehungen in den Dörfern verändert hat. Hinzu kommt der in absehbarer Zeit spürbar werdende demographische Wandel, der in vielen Orten zu einem weiteren Bevölkerungsrückgang führen wird.

Ab dem Jahr 2015 werden die Auswirkungen des Demographischen Wandels deutlich spürbar sein. Aufgrund der seit Jahren konstant niedrigen Geburtenrate geht die Bevölkerung insgesamt zurück. Parallel dazu verändert sich die Altersstruktur. Durch die steigende Lebenserwartung nimmt der Anteil der Älteren in der Bevölkerung zu, die Zahl der Kinder und Jugendlichen geht zurück.


Zu dieser Thematik bearbeiten wir derzeit in Zusammenarbeit mit der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz (Frau Prof. Dr. B.W. Ratter), der Universität Duisburg / Essen (Prof. Dr. G. Henkel) und der Zukunftsinitiative Rheinland-Pfalz (ZIRP e.V.) ein Forschungsprojekt:

Literaturempfehlungen zum Thema am Ende der Seite.

 
  Forschungsprojekt

"Demographischer Wandel und soziale Netze - Wie kann die soziale Infrastruktur im ländlichen Raum durch Bürgerengagement neu gestaltet werden?" (Arbeitstitel)
Im Mittelpunkt steht der Vergleich der auf Bundes- und Landesebene entwickelten Leitbilder (Top-Down) mit den vor Ort von den Bewohner/innen selbst erarbeiteten Leitbildern (Bottom-Up) und die daraus abzuleitenden Empfehlungen für die Konzeptionen zur zukünftigen Enmtwicklung.

Bevölkerungspyramide 2001 Bevölkerungspyramide 2050
Alterspyramide 2001 Alterspyramide 2050
Quelle: Statistisches Bundesamt Deutschland 2003
Zur Homepage des Stat. Bundesamtes
 
Wir führen deshalb Dorfkonferenzen in ausgewählten Orten durch, um dort gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern individuelle Leitbilder für die weitere Entwicklung zu erarbeiten und diese in Zusammenhang mit den Leitbildern des Landes bzw. des Bundes zu bringen. Dabei werden wir in Rheinland-Pfalz von der ZIRP unterstützt.

Die erste Dorfkonferenz fand in Seesbach, Landkreis Bad Kreuznach statt, weitere folgten in Busenhausen (Landkreis Altenkirchen), Rumbach (Südwestpfalz) und Riveris (bei Trier).
Im September findet eine Regionalkonferenz im Barkauer Land (Nähe Kiel) statt, um die regionale Kooperation von Orten in die Forschung einzubeziehen. Hieran sind die Bewohner/innen aus 11 Gemeinden beteiligt.

Das Protokoll der Dorfkonferenz in Busenhausen kann hier als .pdf-Datei eingesehen werden.

Bei Interesse an einer Dorfkonferenz wenden Sie sich bitte an uns, wir sind gerne auch in Ihrem Ort tätig und beziehen die Ergebnisse in unsere Forschung ein! Mail an: info@dorfplanerin.de
Forschungsfragen sind u.a.:
  • Wandel der sozialen Beziehungen in Dörfern bis 1000 Einwohner nach dem 2. Weltkrieg
  • Demographische Entwicklung in den ländlichen Regionen Deutschlands und die Folgen für die soziale Infrastruktur
  • Welche Leitbilder bestehen auf Bundes- und Landesebene, und inwieweit unterscheiden sie sich von den durch die Bürgerinnen und Bürger vor Ort erarbeiteten Leitbildern?
  • Beispiele für gelungene Infrastruktur-Anpassungsmaßnahmen durch bürgerschaftliches Engagement und Analyse der Bedingungen für ihr Gelingen (Beispiele sind u.a. Nachbarschaftsläden, Dienstleistungstauschbörsen, Seniorenhilfen, ...)
  • Empfehlungen für Bürger/innen sowie für Kommunalpolitiker/innen: Welche Rahmenbedingungen sind notwendig, damit durch bürgerschaftliches Engagement die soziale Infrastruktur im ländlichen Raum verbessert bzw. angepaßt werden kann?
 

Dieser Aufsatz ist in der Zeitschrift "Ländlicher Raum" der Agrarsozialen Gesellschaft veröffentlicht worden und stellt den Zusammenhang des Forschungsprojektes mit der Entwicklung im ländlichen Raum dar:
N. Franzen: Demographischer Wandel und Bürgerengagement
Der demographische Wandel in der Bundesrepublik Deutschland ist seit einiger Zeit ein bestimmendes Thema in nahezu allen Tagungen und Fachgesprächen zum Thema "Ländlicher Raum". Dabei wird vor allem über Infrastruktureinrichtungen und deren Ausnutzung diskutiert. Doch nicht für alle Bereiche, vor allem für die soziale Infrastruktur, können finanzierbare Lösungsstrategien entwickelt werden, vor allem vor dem Hintergrund der schwierigen Haushaltslage der Kommunen.
Ein Lösungsansatz gerade für diesen Bereich kann möglicherweise aus der historischen Struktur der Dörfer abgeleitet werden:
Bestanden doch gerade hier schon von alters her enge Bindungen zwischen den Bewohnern, da man auf dem Lande schon immer auf gegenseitige Unterstützung angewiesen war, ob beim Hausbau oder bei der Ernte. In peripheren Regionen findet man diese engen sozialen Netze noch heute, und dort werden auch viele kommunale Maßnahmen weiterhin in Eigenleistung durch die Dorfbewohner umgesetzt. Ein positives Beispiel ist Schlitz-Hutzdorf im Vogelsbergkreis: Hier haben die Bewohner durch ihr besonders großes Engagement die Wirkungen des Dorferneuerungsprogrammes noch deutlich verstärkt, indem sie durch Eigenleistungen nicht nur ein Feuerwehrgerätehaus in die ehemalige Dreschscheune eingebaut, sondern auch einen Grill- und Bolzplatz errichtet haben. Hinzu kamen weitere Arbeiten wie Hilfe beim Umbau des Dorfgemeinschaftshauses und bei der Gestaltung von Freiflächen. Somit konnten der Stadt Schlitz hohe Kosten erspart und für das Dorf wichtige Einrichtungen für das Gemeinschaftsleben geschaffen werden.
Durch bürgerschaftliches Engagement kann auch im sozialen Bereich vieles erreicht werden, was den Kommunen oder sozialen Einrichtungen heute nicht mehr möglich ist. Defizite in der Versorgung mit Lebensmitteln oder Dienstleistungen in kleineren Orten werden mancherorts durch sog. Nachbarschaftsläden ausgeglichen, die von ehrenamtlich aktiven Bürgerinnen und Bürgern geführt werden. Diese Läden dienen nicht zur Einkommensdeckung, sondern alleine der Versorgung der Bevölkerung, und dabei vor allem denjenigen Menschen, die nicht mobil sind (Senioren oder Hausfrauen ohne Zweitwagen).
In ballungsraumnahen Orten nimmt die Intensität der zwischenmenschlichen Beziehungen dagegen ab; Gründe dafür sind neben dem allgemein zunehmenden Rückzug ins Privatleben auch die geringeren verwandtschaftlichen und nachbarlichen Bindungen, da es inzwischen eher die Ausnahme ist, daß mehrere Generationen einer Familie im gleichen Ort leben (ob nun wegen des Arbeitsplatzangebotes oder der Lage). Hier entstehen nun zunehmend Probleme durch fehlende Unterstützung der älteren Menschen bei den täglichen Dingen: ob nun beim Einkaufen im Nachbarort oder bei der Hausarbeit oder kleineren Reparaturen. Aber dies gilt nicht nur für ältere Menschen, sondern u.U. auch für junge Familien, wenn Kinder gehütet werden müssen oder Hausaufgabenbetreuung nötig ist.
Zur Lösung dieser Problematik werden vielerorts Dienstleistungstauschbörsen gegründet, nach dem Motto "Tausche Rasen mähen gegen Marmelade kochen". Hierbei werden Leistungen nicht gegen Geld, sondern auf der Basis von Zeitkonten getauscht.
Ein Forschungsprojekt untersucht derzeit bundesweit derartige Aktivitäten von Dorfbewohnern, um daraus einen Leitfaden für Kommunen zu entwickeln, wie für dieses ehrenamtliche Engagement die optimalen Rahmenbedingungen geschaffen werden können. Dafür werden noch weitere konkrete Beispiele gesucht, z.B. zur Verbesserung der Situation von Familien oder älteren Menschen im ländlichen Raum. Um dem demographischen Wandel und weiterer Abwanderung junger Menschen aus peripheren Räumen begegnen zu können, sind alle Aktivitäten interessant, die die Lebensqualität für die verschiedenen Altersgruppen im Dorf verbessern können. Entsprechende Initiativen sind aufgerufen, sich bei der Autorin zu melden.
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Literaturempfehlungen:  
   
   
 
 

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