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Versorgung

Wir haben die Entwicklung von Nachbarschaftsläden von der 1. Idee über die Klärung von Trägerschaft und Finanzierung (Wirtschaftlichkeitsberechnung) bis zur Umsetzung begleitet, so z.B. in Berglangenbach und Ermetheis. Aktuell empfehlen wir das Dorfladen-Netzwerk für die tiefergehende Beratung. Unsere Leistungen im Themenfeld Versorgung sind:

  • Bedarfsklärung mit der Dorfbevölkerung, z.B. in der Dorfmoderation

  • Informationen zu guten Beispielen, wie die örtliche Versorgung verbessert werden kann (Einkaufen, Mobilität, Dienstleistungen, …)

  • Projektentwicklung, ggf. mit externen Fachberatern

 

Nachbarschaftsladen:

In vielen kleinen Orten gibt es seit Jahren kein Lebensmittelgeschäft mehr. Gestützt auf Rentabilitätsberechnungen ziehen sich die Anbieter aus der Fläche zurück. Viele kleinere Geschäfte, von Privateigentümern als "Tante-Emma-Laden" geführt, finden keine jüngeren Nachfolger, weil eine Fortführung des Geschäftes nicht mehr rentabel erscheint oder dies nur mit einem nicht mehr vertretbaren Mehraufwand verbunden ist.

 

Besonders für der im Zuge demographischer Entwicklungen immer größer werdende Anteil der älteren Menschen, aber auch für alle Nicht-Motorisierten und körperlich Eingeschränkten wird das Einkaufen im Supermarkt in einem anderen Ort zu einem echten Problem: Man kann nicht mehr selbstständig einkaufen, stattdessen müssen die benötigten Lebensmittel, wenn überhaupt möglich, von Familienmitgliedern oder Bekannten mitgebracht werden. Oder es wird samstags mit dem Familienauto eingekauft. Die Verfügbarkeit des eigenen Autos wird zum Muss. Und mit dem Verschwinden des letzten Ladens im Dorf verschlechtert sich nicht nur die Versorgungslage. Es verschwindet ein wichtiger Treffpunkt im Dorf, der das Leben im ländlichen Raum immer bereichert hat.

 

Genau hier setzt die Idee des Nachbarschaftsladens an: Warum sollte es eigentlich nicht möglich sein, einen Laden, der die Grundversorgung mit Lebensmitteln garantiert, als Bürgerprojekt zu organisieren, z.B. als Genossenschaft, wirtschaftlichen Verein oder Unternehmergesellschaft.

 

Was unterscheidet den Nachbarschaftsladen von einem gewöhnlichen Tante-Emma-Laden?

Unter einem Nachbarschaftsladen versteht man "ein stationäres Einzelhandelsgeschäft an Standorten mit bis zu 3.000 Einwohnern, das ein Lebensmittelgrundsortiment und Artikel des täglichen Bedarfs anbietet und damit den Grundbedarf an Nahrungsmitteln und Artikeln des täglichen Bedarfs am jeweiligen Standort weitgehend befriedigen kann." Hier liegt der Fokus auch auf einer Bündelung von Einzelhandelsfunktionen mit anderen Dienstleistungsfunktionen innerhalb eines Ladengeschäfts (Reinigungsannahme, Lotto, Postdienste, …).

 

Das entscheidend Andere am Nachbarschaftsladen ist die Organisation der Trägerschaft des Ladens auf einer nachbarschaftlich-gemeinschaftlichen Basis im Dorf und die Konzentration der Funktion dieses Ladens auf die Versorgung, und nicht ausschließlich auf die Gewinn-Erzielung. Damit können zum einen die Betriebskosten gesenkt werden, zum anderen ist keine Gewinnentnahme als Unternehmerlohn mehr notwendig, so dass im Vergleich zum klassischen "Tante-Emma-Laden" eine Kostendeckung viel leichter möglich ist und der Laden damit betriebswirtschaftlich lebensfähig bleibt.

 

Der Blick in einen Nachbarschaftsladen

Das Kernangebot sind natürlich die Lebensmittel. Zwar kann ein großer Supermarkt ein größeres Sortiment bieten, andererseits kann ein Nachbarschaftsladen auf den persönlichen Bedarf besser reagieren, auch über die Gesellschafterversammlung. Wichtig sind heute frische, regionale Produkte (auch in Bioqualität), unverpackte Lebensmittel und Spezialitäten, die auch vor Ort zubereitet werden. Der Nachbarschaftsladen kann bei der Auswahl seines Sortiments auch auf landwirtschaftliche Direktvermarkter der Region zurückgreifen, was einen positiven Effekt auf die lokale Wirtschaft hat.

 

Das Beispiel Berglangenbach

Auch in Berglangenbach in der Verbandsgemeinde Baumholder (Rheinland-Pfalz) gab es schon einige Jahre kein Lebensmittelgeschäft mehr, als im Jahre 1996 die Dorferneuerung Einzug hielt. Nachdem im Rahmen der Dorfmoderation eine Befragung eine breite Beteiligung und hohe Akzeptanz des Ladens innerhalb der Bevölkerung erkennen ließ, gründete sich der Verein "Nachbarschaftsladen" mit 135 Mitgliedern.

 

Gleichzeitig rückte ein alter Maschinenschuppen in den Mittelpunkt des Interesses. Für diese 1925 erbaute Scheune der ehemaligen Dreschgemeinschaft wurde eine neue Nutzung gesucht, zumal die Scheune sehr zentral am "Festplatz" in der Ortsmitte stand. Ziel war es, einen aktiven Ortsmittelpunkt zu schaffen. Daraus entstand das Konzept der Umnutzung der Dreschscheune in eine multifunktionale Markthalle, mit einem Laden zur Deckung der örtlichen Grundversorgung.

 

Leider musste der Laden nach 10 Jahren geschlossen werden, da die Bevölkerung in dieser Zeit um 11% auf 463 Einwohner abnahm und die jüngere Generation nicht so aktiv wie erhofft im Laden eingekauft hat. Auch fehlten hier Einkäufer aus Nachbarorten bzw. Durchgangsverkehr und eine Einbindung von Dienstleistungsangeboten.

 

Die Unterstützung der Gemeinden kann unterschiedlich aussehen, z.B. die Moderation bei der Gründung des Ladens, Hilfe bei der Überwindung bürokratischer Hürden oder auch das Bereitstellen geeigneter Liegenschaften. Oft ist eine öffentliche Förderung in Form einer Anschubfinanzierung notwendig: Die Baukosten, die Einrichtung und Ausstattung des Ladens erfordern in vielen Fällen erhebliche Investitionen, die die Bürger nicht alleine tragen können, insbesondere wenn nicht sofort auf geeignete Räumlichkeiten und auf eine Ladeneinrichtung zurückgegriffen werden kann (siehe auch "Wohin mit dem Laden?").

 

Der Nachbarschaftsladen ist kein Patentrezept zur Lösung aller dörflichen Probleme; er kann aber in seinem Bereich, d.h. vor allem im Bereich der Versorgung, einen Beitrag zum Erhalt und zur Weiterentwicklung dörflicher Infrastruktur darstellen. Die Gründung und der Betrieb eines Ladens kann zu weiteren Impulsen in der Entwicklung des Dorfes führen. So sorgte z.B. das Vorhandensein eines Nachbarschaftsladens dafür, dass in einer Gemeinde im Hunsrück die Nachfrage nach Bauplätzen spürbar anstieg.

 

Die Eröffnung eines Nachbarschaftsladens ist eine nachhaltige Investition in eine lebenswerte Zukunft des Dorfes. Die Nachbarschaftsläden stellen eine Nische im Einzelhandel dar, die es mit Leben zu füllen gilt.

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